10 Mrz

Schade! So viel Arbeit für die Katz‘

PROJEKTBERICHTE SCHREIBEN. Mich überrascht immer wieder, wie ängstlich Manager und Presseverantwortliche von Unternehmen sind, sie könnten ein falsches Wort gegenüber der Presse sagen – und dann firmenintern am Pranger stehen. So auch der B2B-Vertriebsleiter eines großen Dienstleistungsunternehmens.

 

Er wollte unbedingt mit einem Changeprojekt, das er mit Unterstützung eines unserer Kunden durchgeführt hatte, in die Presse – weil es „so toll gelaufen war“. Also schrieben wir einen Projektbericht. Doch dann lag das Manuskript vor. Und dem Vertriebsleiter wurde offensichtlich mulmig. Also bat er uns per Mail, diese und jene Passage aus dem Manuskript zu entfernen, da sie „Firmeninterna“ enthalte.

 

„Alle ‚Firmeninterna‘ müssen aus dem Projektbericht raus“

„Projekte haben stets einen Anlass und den sollte man in Projektberichten auch klar benennen, sonst ist der gesamte Bericht eine Farce.“

Ich konnte in solchen Aussage wie, dass „die bereichsübergreifende Zusammenarbeit verbessert“ und „die Vertriebsstrategie stärker operationalisiert werden solle“, zwar keine Firmeninterna entdecken, doch der Kunde (unseres Kunden) ist König – also wurde die Passagen gestrichen.

Danach sandten wir das Manuskript zum Gegenlesen erneut an den Vertriebsleiter. Und der reichte es an die Presseabteilung weiter, die noch einige „Firmeninterna“ entdeckte, die gestrichen werden mussten. Dann nach drei Monaten gab das Unternehmen das Manuskript endlich – nach mehreren Überarbeitungsschleifen – zum Veröffentlichen frei.

 

Feedback Redaktion: „Unklar bleibt, warum das Projekt überhaupt nötig war und …“

Also boten wir es Redaktionen an und erhielten Feedbacks wie:

„Der Projektbericht ist mir zu inhaltlos. Warum das Unternehmen, das Projekt überhaupt durchführte, wenn vor ihm schon alles in der Organisation ‚Spitze‘ war, wird in ihm nicht klar. Nach dem Durchlesen blieb bei mir nur hängen, dass sich alle Beteiligten mehrfach zu Strategiesitzungen trafen, die Vertriebsmitarbeiter ein Verkaufstraining besuchten und der Außendienst nun noch kundenorientierter agiert als er dies zuvor schon tat. Wenn Sie klarer herausarbeiten würden, was sich durch das Projekt real verglichen mit früher verändert hat, wäre der Bericht eventuell für unsere Leser interessant.“

 

Genau das hatten wir in unserem ursprünglichen Manuskript versucht. Doch dann sagten die Kommunikationswächter in dem Unternehmen „Nein,…..“ und die „Streichorgie“ begann

 

Deshalb konnte ich der Redakteurin, die obige Mail schrieb, nur zurückschreiben:

„… danke für Ihr Feedback, das ich gut nachvollziehen kann. Denn das ist die Crux bei solchen Projektberichten: Die Unternehmen wollen mit ihren Changeprojekten zwar gerne in die Presse, um sich als innovative Organisation zu profilieren. Doch, dass der Anlass für das Projekt ein ‚Manko‘ bzw. ‚Defizit‘ in ihrer Organisation war, das wollen sie nicht sagen. Deshalb kann ich Ihren Wunsch nach einer stärkeren Konkretion nicht erfüllen.

 

Der Projektbericht wird nie veröffentlicht werden

Unter dem Strich heißt das: Unsere gesamte Arbeit für den Projektbericht war für die Katz‘; ebenso die Zeit, die unser Kunde in dessen Erstellen investierte.

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