WAHLEN IN SACHSEN-ANHALT. Seit Sonntag verfolge ich nun zwangsweise (weil sie mir angezeigt werden) die plakativen Posts auf LinkedIn von solchen Wirtschaftsweisen und Politikverstehern wie Frank Thelen, Carsten Maschmeyer & Co, in denen diese fordern „Der Merz muss weg“ und ihr Freude darüber äußern, dass sich in Deutschland endlich etwas bewegt.

Nach Habeck und Scholz muss jetzt der Merz weg
Sie blasen damit, wenn nicht ins gleiche, so doch in ein ähnliches Horn wie solche selbstverliebten und schamlosen Geister wie Donald Trump und Elon Musk, die der AfD zu ihrem Sieg in Sachsen-Anhalt gratulierten und ebenfalls ihre Freude darüber äußeren, dass sich in Deutschland nun „etwas bewegt“.
„Weg, weg, weg mit all diesem regulatorischen ‚Dreck‘“
Für alle diese „neo-liberalen“ bzw. anarchokapitalistischen „Leistungsträger“ nicht nur in unserer Gesellschaft, die – so mein Eindruck –
- am liebsten, wie Peter Thiel, alle staatlichen Regelungen und Organisationen abschaffen möchten, die ihrem unternehmerischen Treiben einen Rahmen setzen, und
- primär äußern, was alles „weg, weg, weg muss …“, damit sie endlich, die von ihnen gewünschten Freiheiten (die nicht meine sind) haben,
gibt es zurzeit offensichtlich kein Halten mehr: Sie sehen ihre Zeit gekommen und legen zunehmend ihre Samthandschuhe ab.
„Staatliche Aufträge und Fördergelder einstreichen ja, doch Vorgaben nein“
Das zeigt auch die populistische Forderung „Der Merz muss weg“ – so wie zuvor schon der Habeck und der Scholz weg mussten). Doch wer oder was soll an die Stelle von Merz treten? Darüber hört man von den Neo-Liberalen bzw. Tec-Weisen, die vor zwei Jahren noch den Blackrock-Mann Merz, soweit ich mich erinnere, haben wollten, nichts. Ein Vakuum, das ihnen endgültig erlaubt – ähnlich wie in den USA – den Staat zu kapern und ihn zu einem Tool bzw. Toy zu machen, in dessen Kasse sie zwar wie Thiel mit Palentir und Musk mit SpaceX tief greifen, den sie aber ansonsten verachten?
„Nach Habeck und Scholz muss nun der Merz weg, dann wird alles besser.“
Und was wäre gewonnen, wenn der Merz (auf den ich persönlich verzichten kann) weg wäre? Wenig, bis nichts, denn die zu lösenden Probleme wären die gleichen (und die schwierigen Rahmenbedingungen auch). Ein solch einzelpersonen-zentrierter Vorschlag zur Problemlösung wie „Der Merz muss weg“ sollte Personen, die für sich in Anspruch nehmen, Komplexität wahrzunehmen und zu verstehen, eigentlich vor Scham erröten lassen, denn er negiert jegliche Komplexität.
Doch Problemlösung ist ja auch nicht das Ziel: Faktisch geht es den Herren (eine ähnlich profilierte Frau, die sich so positioniert, fällt mir nicht ein), doch darum, dass
- ihnen bei ihren unternehmerischen Aktivitäten bzw. ihrem Streben einen möglichst hohen Return-on-invest zu erzielen, niemand mehr ins „Handwerk“ pfuscht … und
- ihnen in ferner Zukunft nicht irgendwann mal irgendwelche „Verbotspolitiker“ untersagen, mit ihren Privatjets durch die Welt zu fliegen, weshalb sie auch schon seit Jahren über die desaströse Klima-Politik sowohl der Scholz- als auch Merz-Regierung klagen, die „die deutsche Wirtschaft ruiniert“.
„Wir sind genial, doch die Politiker sind und bleiben Nieten – egal was sie tun.“
Und ganz klar, egal wer der Nachfolger von Merz wäre, die neo-liberalen Leistungsträger in unserer Gesellschaft würden weiter klagen:
- Wenn er sich für eine proaktive Industriepolitik engagieren würde, würden sie (wie 2019 bei Peter Altmaier) über eine Rückkehr der Planwirtschaft klagen.
- Wenn er dies nicht tun würde, würde sie über das Fehlen klarer, zuverlässiger Rahmenbedingungen klagen.
- Wenn er sich für mehr Investitionen in die Infrastruktur engagieren würde, würden sie über die steigende Staatsverschuldung klagen.
- Wenn er dies nicht tun würde, würden sie über die mangelnden Zukunftsinvestitionen klagen.
- Wenn …..
Offen gesagt, ich persönlich habe keine Ahnung, wie man die Dilemmata, vor der nicht nur die deutsche Politik steht, so lösen bzw. managen kann, dass dies auf eine breite Zustimmung stößt. Ich weiß nur, dass ich nicht auf dem Posten der Politiker der „Alt-Parteien“ sitzen möchte, die sich zurzeit mit unseren (Kern-)Problemen herumschlagen – Problemen, bei denen sie mit viel mehr widerstreitenden Interessen kämpfen sowie Einflussfaktoren und Wechselwirkungen bedenken müssen als jeder Unternehmer und Investor.
„Es gibt nur noch einen Hoffnungsträger: die neue ‚Freiheitspartei‘ AfD“

„Manchmal muss ich zu gewissen Dingen einfach mein ‚Senf‘ dazu- bzw. abgeben, sonst platze ich.“
Ich habe aktuell nur so eine Ahnung, dass zurzeit viele neo-liberale Geister – nachdem die ehemalige Partei für die „unternehmerische Freiheit“ FDP abgewirtschaftet hat und sich der abgehalfterte Wolfgang Kubicki nicht mehr als das erhoffte Zugpferd erweist – gerade dabei sind, die Pferde zu wechseln und auf die neue „Freiheitspartei“ zu setzen, die in Deutschland endlich etwas bewegt: die AfD. Wohl bekomm’s! Die Frage ist nur wem?

