19 Jan

KI und KI-R-A werden die Wirtschaft und Welt verändern

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ, KI VORTRAGSREDNER. Die künstliche Intelligenz wird künftig der stärkste Changetreiber in unserer Gesellschaft sein. Davon ist der Autor des Buchs „Die KI-Roadmap:…“ Dr. Jens-Uwe Meyer überzeugt. Das haben viele Mittelständler noch nicht erkannt.

 

? Herr Meyer, ist das Thema KI ein durch ChatGPT ausgelösten Modethema oder mehr?
Jens-Uwe Meyer: Das Ausprobieren und Arbeiten mit diesem Chatbot sorgte bei vielen Personen und Organisationen für einen Wow-Effekt in Sachen künstliche Intelligenz. Den meisten ChatGPT & Co-Nutzern ist aber noch nicht bewusst, welche verändernde Kraft für unsere Wirtschaft und Gesellschaft noch in der KI steckt.
? Können Sie das erläutern?

Dr. Jens-Uwe Meyer, Innovations- und Digitalisierungsexperte:: „Die KI und KIRA werden die Welt verändern.“

Meyer: Nun, aktuell werden KI-Lösungen vor allem im Dienstleistungsbereich genutzt; außerdem in den Unternehmensbereichen, in denen sehr viele Daten zu erfassen und verarbeiten sind.
? Wie zum Beispiel im Marketing- und Controllingbereich.
Meyer: Ja. Doch auch in der Produktion haben KI-Systeme vereinzelt schon menschliche Tätigkeiten übernommen, weil sie schlicht effektiver sind. So zum Beispiel bei der Qualitätskontrolle. Doch dies ist erst der Anfang der Entwicklung.

 

KI-R-A wird ein sehr starker Changetreiber sein

? Warum?
Meyer: Weil sich aus der Verbindung der künstlichen Intelligenz mit der Robotik und Automatisierung, kurz KI-R-A genannt, für die Unternehmen ganz neue Möglichkeiten

ergeben.
? Inwiefern?
Meyer: Mit KI-R-A können Unternehmen nicht nur einzelne Tätigkeiten effektivieren, sondern ganze Geschäftsprozesse neu gestalten und zum Teil sogar neue Geschäftsmodelle realisieren. Heute ist es keine Utopie mehr, dass in naher Zukunft KI-Lösungen in den Unternehmen nicht nur deren neue Produkte entwickeln, sondern auch deren Produktion steuern und die Auslieferung an die Kunden managen; außerdem ihren Einsatz beim Kunden monitoren und effektivieren.
? Der Automatisierungsprozess wird sich also aufgrund des verstärkten Einsatzes selbstlernender KI-Systeme rasant beschleunigen?
Meyer: Beschleunigen und immer mehr Tätigkeitsfelder umfassen.
? Mit welchen Konsequenzen?
Meyer: Unter anderem einer radikalen Steigerung der Effizienz. Aufgaben, die bislang Wochen oder Monate in Anspruch nahmen oder aus Effizienzgründen gar nicht wahrgenommen wurden, werden mit Hilfe der KI-Lösungen binnen Minuten erledigt sein – und zwar ohne menschliche Unterstützung. Das macht vielen Menschen Angst, denn sie befürchten: Dann entfällt mein Arbeitsplatz. Das wird teilweise der Fall sein. Doch nicht nur aus unternehmerischer, sondern auch gesellschaftlicher Sicht ist die Automatisierung schlicht nötig.
? Warum?
Meyer: Weil aufgrund des demografischen Wandels viele Aufgaben schlicht automatisiert werden müssen, damit sie überhaupt noch in einer hohen Qualität erbracht werden können.
? Und bezahlbar bleiben?
Meyer: Das auch.

 

Die Kompetenz in Sachen KI gezíelt ausbauen

„Die Unternehmen sollten eine KI-Roadmap entwickeln und erste KI-Pilotprojekte starten.“

? Ist den Unternehmensführern bewusst, vor welch tiefgreifenden Veränderungen ihre Unternehmen aufgrund des verstärkten KI-Einsatzes sowie von KI-R-A stehen?
Meyer: Etwa zehn Prozent von ihnen ja. Die meisten haben das Ausmaß der Veränderung aber noch nicht erkannt. Viele glauben sogar noch: Das Thema künstliche Intelligenz ist für uns irrelevant.
? Und wie schaut es mit der Kompetenz aus, die erforderlichen Veränderungsprozesse in ihrer Organisation zu planen und zu steuern?
Meyer: Die zehn Prozent, von denen ich gerade sprach, wissen, dass der Übergang in eine KI-dominierte Wirtschaft unumgänglich ist. Also investieren sie auch Zeit und Geld in entsprechende Weiterbildungen und das Entwickeln von KI-Strategien. Speziell bei vielen Mittelständlern besteht aber die Gefahr, dass sie den Anschluss verpassen.
? Was sollten die Entscheider im Mittelstand tun, um selbst fit für den Wandel zu werden?
Meyer: Sie sollten, falls noch nicht geschehen, einfach mal solche Programme wie ChatGPT und Google Bard ausprobieren und mit ihnen Experimente durchführen. Meine Empfehlung lautet: „Lassen Sie sich von ihnen beispielsweise mal eine Arbeitsanweisung schreiben oder anhand hochgeladener Daten einen Businessplan erstellen.“ Wenn Entscheider das tun, sind sie in der Regel von den Ergebnissen positiv überrascht. Das bewirkt ein Umdenken. Sie beginnen also darüber nachzudenken, inwieweit ließe sich durch den KI-Einsatz eventuell die Arbeit in gewissen Bereichen unseres Betriebs effektivieren oder gar revolutionieren.

 

Eine KI-Vision und -Roadmap entwickeln

? Was sollten die Entscheider tun, um die nötigen Veränderungsprozesse in ihrer Organisation in Gang zu setzen?
Meyer: Zunächst eine KI-Roadmap entwickeln. Im ersten Schritt gilt es dabei, die möglichen Potenziale für eine Automatisierung mit Hilfe der KI zu identifizieren. Danach gilt es, die Potenziale zu konkreten Anwendungsfällen weiterzuentwickeln, Ziele zu definieren und Teams aufzubauen. Ein strukturiertes Vorgehen hierbei ist gerade bei Mittelständlern wichtig, weil ihre Ressourcen begrenzter als die von Konzernen sind.
? Wie wichtig ist es, eine Vision zu haben, wohin das Unternehmen sich entwickeln soll?
Meyer: Extrem wichtig; auch um möglichst wenig Zeit zu verschwenden. Denn während zurzeit die einen Unternehmen noch überlegen, ob sie sich mit dem Thema KI überhaupt befassen sollen, nutzen andere diese bereits, um ihre Prozesse zu automatisieren.
? Wie kann diese Vision entwickelt werden?
Meyer: Wichtig ist es, das Thema KI nicht zu überhöhen. Das heißt, man sollte sich ihm mit einem ähnlich nüchternen Blick wie einer Investition in Maschinen nähern. Am Anfang steht also die Überlegung, welchen Nutzen könnte unser Unternehmen aus einem KI-Einsatz ziehen: Wo werden Prozesse effizienter? Wo erhöht sich die Qualität? Wo bauen wir strategische Wettbewerbsvorteile auf? Die Antworten auf solche Fragen bilden die Basis für die Entwicklung einer Vision. Ich empfehle Führungskräften in Beratungen oft: „Stellen Sie sich einmal vor, Ihr Unternehmen würde vollautomatisiert funktionieren. Was müsste geschehen, welche Entscheidungen müssten getroffen werden, damit alle Prozesse – vom Auftragseingang bis zur Zustellung – vollautomatisch ablaufen“ Das Ergebnis dieses Gedankenspiels ist meist unrealistisch, weil so viel Automatisierung aktuell weder technologisch möglich ist, noch mitarbeiter- und kundenfreundlich wäre. Es entsteht jedoch eine Vorstellung davon, in welche Richtung sich das Unternehmen entwickeln wird. Von dieser Vision ausgehend können dann kleinere Projekte und Entwicklungsziele definiert werden.

Pilot-Projekte im KI-Bereich starten und diese evaluieren

 

Cover des Buchs: „Die KI-Roadmap – Künstliche Intelligenz im Unternehmen erfolgreich einsetzen“

? Was ist der größte Stolperstein beim Realisieren der Version?
Meyer: Die Unternehmenskultur. Aktiv werden bedeutet gerade bei mittelständischen Unternehmen in der Regel nicht, zunächst einige KI-Experten einzustellen oder gar eine KI-Abteilung aufzubauen. Mitunter genügen ein, zwei Schulungen und einige Prozessveränderungen und schon können erste KI-Anwendungen im Betriebsalltag eingesetzt werden. Es können also „Piloten“ – auch zum Kompetenzaufbau – gestartet werden. Doch dieser Prozess muss von oben angestoßen und gepuscht werden. Sonst bewegt bzw. verändert sich im Unternehmen nichts.
? Herr Meyer, danke für das Gespräch.

Silas Koch

 

Zum Interviewten: Dr. Jens-Uwe Meyer ist Vorstandsvorsitzender der Innolytics AG, Leipzig. Der Digitalisierungs- und Innovationsexperte sowie Vortragsredner hat 13 Bücher zum Thema Innovation in Unternehmen verfasst. Im Oktober 2023 erschien sein neustes Buch „Die KI-Roadmap: Künstliche Intelligenz im Unternehmen erfolgreich einsetzen“.

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